Muss ich beim Auszug streichen? Was im Mietvertrag gilt
Diese Frage stellt sich bei fast jedem Auszug. Die kurze Antwort: Ohne wirksame Klausel im Mietvertrag müssen Sie nicht streichen. Ob Ihre Klausel wirksam ist, lässt sich an ein paar Punkten selbst prüfen.
Der Grundsatz: Renovieren ist Sache des Vermieters
Nach dem Gesetz hält der Vermieter die Wohnung in gutem Zustand (§ 535 BGB). Die sogenannten Schönheitsreparaturen, also Wände und Decken streichen oder tapezieren, Heizkörper, Innentüren und Fenster von innen streichen, darf er im Mietvertrag auf den Mieter übertragen. Viele Klauseln, die das tun, sind aber unwirksam. Dann bleibt es beim Gesetz, und Sie müssen nicht renovieren.
Wann die Klausel unwirksam ist
Der Bundesgerichtshof hat eine ganze Reihe von Formularklauseln gekippt. Die häufigsten Fälle:
| Was im Mietvertrag steht | Folge |
|---|---|
| Feste Fristen ohne Spielraum, etwa „Küche und Bad spätestens alle drei Jahre, Wohnräume spätestens alle fünf Jahre“ | unwirksam (BGH, VIII ZR 361/03) |
| Renovierung beim Auszug, egal wann zuletzt renoviert wurde | unwirksam (BGH, VIII ZR 316/06) |
| Die Wohnung war beim Einzug unrenoviert, und Sie haben dafür keinen angemessenen Ausgleich bekommen | Übertragung unwirksam (BGH, VIII ZR 185/14) |
| Anteilige Renovierungskosten, wenn Sie vor Ablauf der Frist ausziehen („Quotenabgeltung“) | unwirksam (BGH, VIII ZR 242/13) |
| Renovierung „bei Bedarf“ oder nach Fristen mit Einschränkung wie „in der Regel“, Wohnung renoviert übernommen | meist wirksam |
Ist eine Klausel unwirksam, fällt die Pflicht in der Regel ganz weg. Der Vermieter kann sie nicht einfach auf ein zulässiges Maß kürzen.
Ob die Wohnung beim Einzug unrenoviert war, müssen im Streitfall Sie belegen. Das Einzugsprotokoll und Fotos vom Einzug helfen dann weiter.
Was Sie auch ohne Klausel schulden
- Schäden über die normale Abnutzung hinaus, etwa Brandflecken, Löcher in Türen oder stark verschmutzte Wände.
- Kräftige Farben: Wer eine neutral übernommene Wohnung mit roten, schwarzen oder anderen auffälligen Wänden zurückgibt, muss sie wieder neutral streichen oder den Aufwand ersetzen (BGH, VIII ZR 416/12).
- Eine leere, besenreine Wohnung: Möbel und Einbauten des Mieters sind raus, grober Schmutz ist beseitigt, die Böden sind gefegt. Eine Grundreinigung verlangt „besenrein“ nicht (BGH, VIII ZR 124/05).
Dübellöcher in üblichem Umfang gelten als normale Abnutzung. Viele Vermieter erwarten trotzdem, dass sie geschlossen werden, und bei einer wirksamen Renovierungsklausel gehört das dazu.
Wenn die Klausel wirksam ist
- Sie dürfen selbst streichen. Das Ergebnis muss aber ordentlich aussehen, also ohne Streifen, Farbnasen oder Flecken auf Steckdosen und Fußleisten.
- Neutrale, helle Farben sind bei der Rückgabe die sichere Wahl.
- Renovieren Sie nicht, kann der Vermieter Ihnen eine Frist setzen und danach die Kosten verlangen, häufig über die Kaution.
Nach dem Auszug
Ansprüche des Vermieters wegen Veränderungen oder Verschlechterungen der Wohnung verjähren sechs Monate nach der Rückgabe (§ 548 BGB). Unterschreiben Sie das Übergabeprotokoll nur, wenn es den Zustand richtig beschreibt, und machen Sie eigene Fotos.
Checkliste für die Übergabe
- Mietvertrag heraussuchen und die Klausel zu Schönheitsreparaturen lesen
- Einzugsprotokoll und Fotos vom Einzug suchen
- Kräftige Farben neutral überstreichen
- Möbel, Einbauten, Keller und Dachboden räumen
- Wohnung besenrein machen, gründlicher, wenn der Vertrag es verlangt
- Übergabetermin vereinbaren, Protokoll gemeinsam erstellen, Zählerstände notieren, alle Schlüssel übergeben
Wenn Sie das nicht selbst machen möchten
Im Sorglospaket übernehmen wir nach dem Umzug die alte Wohnung: räumen und entrümpeln, Dübellöcher schließen, Wände und Decken streichen, Endreinigung und Übergabe an den Vermieter, auf Wunsch ohne dass Sie dabei sein müssen. Einzelne Teile können Sie auch einzeln buchen. Besichtigung anfragen
Stand: September 2026. Dieser Artikel gibt einen Überblick und ersetzt keine Rechtsberatung. Ob die Klausel in Ihrem Mietvertrag wirksam ist, prüfen Mietervereine, in Leipzig etwa der Mieterverein Leipzig, oder Anwälte für Mietrecht.